Logbuch Feb 2009logbook Feb 2009
Banner-Logo

International Continental Scientific Drilling Program Bundesministeriums für Bildung und Forschung The National Science Foundation The Russian Academy of Sciences dfg

>>Aktuell: Logbuch vom Februar 2009

25. Feb. 2009

Der Aufbau der Plattform hat begonnen. Die Bulldozer haben alle Teile des Gestells zur Bohrstelle auf den See gebracht. Unser Team arbeitete gestern den ganzen Abend und heute den ganzen Tag über daran, die einzelnen Teile miteinander zu verbinden und zu befestigen, so dass eine einzige Bohrplattform daraus entsteht. Ein langsamer Prozess bei unebener Eisoberfläche und einer Menge Neuschnee auf der Bohrstelle. Nur ein einziger Bulldozer stand zum Schieben und Anheben der Schlittenteile in ihre richtige Position zur Verfügung. Nun ist das Gestell zu ca. 75% gebaut. Anfangs war es nicht so leicht, die Container mit den Bulldozern zur Bohrstelle zu bringen - die Containe haben keine Schlitten und entsprechend türmte sich der Schnee vor ihnen auf und das Ziehen wurde zu schwer. Aber Viktor und seine Mannschaft fanden eine effektive Methode und haben nun mehrere Container versetzt - erfolgreich!

22. Feb. 2009

Das Fluten am Bohrloch D1 ist nun beendet, die letzten Eisdickenmessungen zeigten eine 195cm starke Eisdecke an der Bohrstelle. Das ist deutlich mehr, als wir bis zum Ende der Expedition benötigen - immerhin wird die Eisdecke in den kommenden Wochen und Monaten noch auf natürliche Art und Weise wachsen. Die Messungen an der Eisstraße ergaben zusätzliche 10 - 20cm im vergangenen Monat. Dicke, Qualität, Temperatur und Freibord des Eises werden weiterhin bis zum Ende der Bohrungen beobachtet. Weitere Container mit Bohrtechnik und Vorräten erreichen uns  - nun sind 13 der insgesamt 16 Container aus Pevek eingetroffen. Wir haben eine Bestandsaufnahme gemacht, der Bulldozer schleppt gerade alles zur Bohrstelle. Heute starten wir mit dem Aufbau der Plattform und hoffen, dass der Bohrturm in ein bis zwei Wochen steht.

18. Feb. 2009

Wieder ein wunderschöner Tag im Camp, sonnig und ohne Wind. Das Barometer zeigt für morgen vielversprechende Werte. Zwei Container mit Teilen für die Tragfläche der Bohrplattform kamen gestern Abend an und wurden sofort entladen. Sobald der Bulldozer repariert ist, bauen wir das Gestell für den Transport an die Bohrstelle zusammen. Die Eisfläche an D1 braucht noch einen weiteren Tag Frost, dann ist sie wirklich fertig. Oder wir pumpen morgen noch eine Wasserschicht hoch, falls noch Teile für das Gestell fehlen ... Unser Elektromechaniker hat in den Baloks zusätzliche Heiizkörper angebracht, so dass sie bis zum Abend ohne zusätzliche Kohle warm bleiben - in Dougs, Pavels und Anders Hütte war es am Morgen 21°C!

17. Feb. 2009

Eisverdickung

Heute schlug das Wetter endlich um, es war wunderschön draußen. Kein Wind und strahlende Sonne - jeder zog sich bis auf's T-Shirt aus und ging an die Arbeit. Die Eisverdickungs-Mannschaft pumpte eine weitere Wasserschicht auf die D1-Fläche und wir waren damit beschäftigt, die Heizungen und Generatoren an's Laufen zu bekommen. Es ist deutlich leichter, auf Toilette zu gehen, wenn man sich nicht erst einen Weg dorthin freischaufeln muss. Insofern war jeder glücklich und die Arbeit ging gut voran.

16. Feb. 2009

Gestern kamen Catalina und Dietmar im Camp an. Volker, Gary und Chris  flogen zurück nach Pevek. Besten Dank an das EBA-Team und die geleistete Arbeit, die Eisfläche an D1 ist fertig - an den meisten Stellen ist das Eis nun 1,80 m stark. Heute kam ein weiterer Container mit Konstruktionsmaterial für die Kernkisten. Wir warten immer noch auf die Container mit der Elementen der Bohrplattform, sie sind entweder noch in Pevek oder waren Teil des liegen gebliebenen Konvois.
Immer noch Schneesturm und stark eingeschränkte Sicht. Mit einem Vestikhot fuhren wir zur D1-Eisfläche und holten den 10.000 W-Generator und einen Schlitten zum Transportieren von Sachen. Bei so schlechter Sicht werden wir nicht noch einmal ohne Ersatzfahrzeug fahren - wenn man liegen bleibt, hat man ein ernsthaftes Problem.

14. Feb. 2009

Furchtloser

Auch im Camp Valentinstag und jeder gab seinem Spezialkollegen Süßigkeiten. Abgesehen davon war es sehr ruhig. Die LKWs spüren dem verlorenen Konvoi nach, eine weitere Ladung mit Benzin und Vorräten hat uns erreicht. Das wagemutige DOSECC-Team hat die defekte Heizung in einen Balok geschleppt, um dort daran zu arbeiten. Sie identifizierten die beschädigten Teile, bestellten sie und hoffentlich kann Kenna die Ersatzteile mit dem nächsten Hubschrauber in's Camp bringen. - Im Plumpsklo scheint das Bidet nicht zu funktionieren, der Mangel an täglichen Bädern wirkt sich negativ  auf das Campleben aus. Aber abgesehen von diesen Schwierigkeiten sind Essen und die Stimmung untereinander gut - schlechte Stimmung strengt einfach an.

13. Feb. 2009

festgefahren

Gestern kamen alle fünf Container des 2. Konvois an und die russische Camp-Crew wie auch die Fahrer entluden die ganze Nacht. Da wir keinen Kran haben, wurde eine Entladerampe aus Schnee gebaut. Die Bohranlage wurde heute aus dem letzten Container geborgen. Die Fahrer sind nun auf dem Weg zurück zum ersten Konvoi um ihn zum Camp zu leiten. Der Inhalt der Container ist unbeschädigt - mit Ausnahme einer Heizung, die hohen Schaden genommen hat. Wir hoffen, dass wir sie reparieren können, benötigen aber wahrscheinlich Ersatzteile, die die nächsten Expeditionsteilnehmern mitbringen müßten.

12. Feb. 2009

erste Fracht

Heute wurden wir von der Nachricht geweckt, dass der 2. Container-Konvoi nur noch einen Kilometer zu überwinden hat. Trotz heulenden Windes und starken Schneesturms konnten wir entfernt etwas sehen, was wie LKWs mit Containern aussah - zunächst nur einen Teil. Nach Ankunft des ganzen Konvois werden wir nach den liegen gebliebenen Containern forschen. Gestern trat kurzfristig leichte Panik auf: Aktuelle Informationen aus Pevek besagten, dass die einzigen Hubschrauber in der kommenden Woche ausschließlich für Regierungsbeamte zur Verfügung stünden. Deshalb sollte der Helikopter heute zwei Kollegen zum See bringen und die drei Eisverdickerer nach Pevek mitnehmen. Am Morgen ging das EVT (EisVerdickungs-Team) auf den See, um ein letztes Mal zu fluten - und wurde dann mit der Nachricht konfrontiert, dass der Hubschrauberflug wegen  starken Windes ausfällt. Nun plant und arbeitet EVT weiterhin an der 2 m - Marke - und wird die nächste Gelegenheit nutzen, nach Pevek zu kommen ...

11. Feb. 2009

Die beiden vergangenen Tage waren klar und ruhig, jedoch fiel das Barometer kontinuierlich. Heute Morgen kam der bereits erwartete Wind - die Sicht ist wieder schlecht und Schneeverwehungen bilden sich wieder vor unserer Tür. Eines unserer beiden Vestikhots - Panzerwagen, unsere personenbefördernden "kleinen Flitzer" - hatte eine Panne, was dazu führte, dass das andere stark frequentiert wurde. Wir warten immer noch auf den verspäteten Überland-Konvoi aus Pevek, der uns Ausstattung und Bohrgerät bringt. Sobald er ankommt, beginnen wir mit dem Aufbau der Bohrplattform und der notwendigen Technik. In der Zwischenzeit verbringen die Ingenieure, die das Eis verdicken, und andere aus dem Camp wieder viel Zeit damit, die Fläche von ersten Bohrpunkt D1 zu fluten und so die Eisschicht zu verstärken. Diese Fläche ist nun spiegelglatt - Schlittschuhe wären jetzt großartig! Die ursprünglich 1 m dicke Eisschicht wurde bereits um weitere 50 cm verstärkt und wir gehen davon aus, dass das Fluten an fünf weiteren Tagen zu der gewünschten Eisdicke von 2 m führen wird. Wir waren auch am herausragenden Eisrücken der parallel zur Eisstraße verläuft - davon hier ein Foto.

8. Feb. 2009

Erst der zweite Tag mit klarem Himmel - er erlaubte uns, das Fluten und damit die Verstärkung der Eisoberfläche am geplanten Bohrpunkt D1 fortzuführen. Der Hubschrauber brachte zehn weitere Expeditionsteilnehmer zum See - das Bohrteam von DOSECC, weitere Wissenschaftler sowie russische Bohrarbeiter und Campbesatzung. Unter Hinzufügen der Überland-Fahrer der Containertransporte wuchs die Bevölkerungszahl des Elgygytgyn-Camps auf 30 Personen an. Vor dem derzeitigen Hoch führten starker Wind und schlechte Sicht drei Tage lang zu verlangsamten Arbeitsprozessen, aber trotz der schwierigen Bedingungen konnten wir gestern das Fluten rund um D1 fortsetzen. Heute Morgen bereits kristallklarer Himmel und Windstille mit Temperaturen von -34°C: Beste Voraussetzungen für das Fluten. Innerhalb von vier Stunden wurden 1.400.000 Liter Seewasser auf die Eisoberfläche gepumpt. In den kommenden Tagen werden wir weiter an der Eisverdickung arbeiten. Die DOSECC-Container, die Bohrplattform und -technik beherbergen, sind bereits auf dem Weg zu uns.

4. Feb. 2009

Nach fünf Tagen legte sich der Sturm. Das erlaubte uns, die restliche Fläche rund um die Bohrposition D1 vom Schnee zu befreien und umgehend mit dem Fluten der Eisoberfläche zu beginnen. Zwei Tage lang pumpten wir an drei verschiedenen Stellen Wasser auf die Fläche, die die Bohrplattform tragen wird - und deren Eisschicht im gesamten Umfang nunmehr um fast 20 cm gewachsen ist. An den Stellen, an denen Wasser auf die Eisfläche gepumpt wurde, konnte man es laut knacken hören - bei 30°C Temperaturunterschied vorhersehbar und kein Anlass zur Sorge. Vor dem nächsten Fluten muss das Wasser zu einer satten Eisschicht gefroren sein.  

1. Feb. 2009

Der bedrohliche Sturm dauert bereits vier Tage und blockiert jeglichen Fortschritt am Bohrloch D1. Das gesamte Team blieb im Basiscamp, mit Ausnahme von gestern - der Sicherheitsbalok wurde zu D1 gezogen. Als die Kollegen vom See zurückkehrten, betrug die Sichtweite weniger als 20 m. Heute hat die Sturmintensität deutlich zugenommen, mit Windstärken ab 100 km/h, einer Sichtweite unter 10 m und moderaten Temperaturen von -22°C. Die Mannschaft konnte die Pause bei den Vorbereitungen im Feld dazu nutzen, die Logistikplanung zu aktualisieren, notwendige Wartungsarbeiten im Camp vorzunehmen - und sich auszuruhen. Die Karte und das Profil zeigen die Entwicklung der Eisstärke bis zum heutigen Tag.

© Universität zu Köln, Institut für Geologie und Mineralogie Impressum